Asya Fateyeva – Eine klassische Saxophonistin


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„Ich wünsche mir, dass das klassische Saxophon seinen ganz selbstverständlichen Platz im Musikleben bekommt.“


Beim Stichwort „Saxophon“ denken die meisten an den Klang des Jazz-Saxophons und weniger an die Möglichkeiten des klassischen Saxophon-Spiels. Noch! Asya Fateyeva treibt die Vision voran, das zu ändern. „Ich wünsche mir, dass das klassische Saxophon seinen ganz selbstverständlichen Platz im Musikleben bekommt.“ Dass die junge Musikerin das schaffen kann, macht ein Blick auf ihren bisherigen beeindruckenden Lebensweg klar: So erreichte sie etwa als erste Frau 2014 das Finale des namhaften Internationalen Adolphe-Sax-Wettbewerbs in Belgien und erspielte sich den 3. Platz. Die Basis ihres Erfolgs ist eine umfassende Ausbildung bei zahlreichen Größen der französischen Schule des Saxophon-Spiels.

Musizieren mit „russischer Seele“

Asya Fateyeva wurde 1990 in der Ukraine geboren - in Kertsch auf der Krim. Noch gut erinnert sie sich an die salzige Luft, die sie geschmeckt hat, wenn sie als Kind die Musikschule direkt an der Küste besuchte. Ihre Eltern förderten früh ihre Liebe zur Musik. Mit sechs Jahren begann die Tochter eines Profi-Fußballers mit dem Klavierspiel. „Meine erste Klavierlehrerin Valentina Nikishina hat eine tiefe Liebe zur Kunst in mir gesät und mich mit der Tiefe der russischen Schule vertraut gemacht“, erzählt Asya Fateyeva. Und dieses Musizieren mit „russischer Seele“ zeichnet die erfolgreiche Saxophonistin aus. Nach wie vor, auch wenn ihre Ausbildung auf dem Saxophon durch und durch der französischen Schule entspricht.

Mit zehn Jahren hat Asya Fateyeva das Saxophon für sich entdeckt. Eigentlich wollte ihr Vater das Instrument lernen, doch sofort begeisterte sie sich für den warmen Klang des Saxophons. „Ich war beim ersten Ton verliebt und hatte das Glück, gleich eine hervorragende Lehrerin zu finden!“ In Simferopol brachte Lilija Russanowa ihr die Tradition der französischen Saxophon-Schule nahe. Schon nach einem halben Jahr trat Asya Fateyeva mit Orchester auf.

Ausgebildet bei Meistern der französischen Saxophon-Schule

Es folgten Studien bei Professorin Margarita Shaposhnikova am berühmten Gnessin-Institut in Moskau, Meisterkurse im französischen Gap und schließlich 2004 der Umzug nach Deutschland. Ihre Eltern siedelten mit beiden Töchtern nach Hamburg über. Asya Fateyeva zog bald weiter nach Köln, weil sie als Jungstudentin bei Daniel Gauthier studieren konnte; der Franko-Kanadier hatte die erste Professur für klassisches Saxophon inne.

Daniel Gauthier und seine Frau nahmen Asya Fateyeva als Pflegetochter auf, damit sie in Köln die Schule beenden konnte. „Ich hab’ ein eigenes Zimmer bekommen und durfte kostenlos bei den beiden leben“, erinnert sie sich dankbar. „Dass ich heute Deutsch mit französischem Akzent spreche, hat natürlich in dieser Zeit seinen Ursprung.“ Mit 17 konnte die Hochbegabte ihr reguläres Saxophon-Studium an der Hochschule für Musik in Köln aufnehmen. Studienaufenthalte in Frankreich unter anderem bei Claude Delangle in Paris und Jean-Denis Michat in Lyon gaben wichtige Impulse. Daran schliesst sich ein Master-Studium Kammermusik bei Prof. Schmidt an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg an.

„Ich möchte das Niveau des Saxophon-Spiels in Deutschland heben“

„Es geht mir darum, noch weiter als Musikerin zu reifen“, betont Asya Fateyeva. Die vielfach Preisgekrönte ist bereits mit zahlreichen namhaften Orchestern aufgetreten – so etwa mit den Wiener Symphonikern. Sie unterrichtet seit 2014 klassisches Saxophon an der Musikhochschule Münster. Und auch das tut sie ambitioniert: „Ich möchte das Niveau des Saxophon-Spiels in Deutschland heben.“ Dass dieser Anspruch nicht aus der Luft gegriffen ist, unterstreicht das Urteil von Musikkritikern. Da heißt es über Asya Fateyeva, sie sei „eine Sensation für die Musikwelt“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung) oder ihr Saxophon-Spiel betöre jeden, weil es so „vornehm und souverän“, so „edel“ klinge (Süddeutsche Zeitung).

Sehr am Herzen liegen der Wahl-Hamburgerin auch ihre Einsätze als Tenorsaxophonistin im renommierten Alliage-Quintett. In diesem Ensemble interpretiert sie Meisterwerke der klassischen Literatur, arrangiert für Klavier und vier Saxophone. Ein Verfahren, das Asya Fateyeva für den Aufbau ihres eigenen Repertoires ebenfalls sehr schätzt. Schließlich hat Adolphe Sax das Saxophon erst 1840 entwickelt. So transkribiert die Virtuosin, die auch das Spiel auf dem Sopran- und Altsaxophon beherrscht, beispielsweise Werke aus dem Barock oder der Klassik für ihr Instrument. „Bachs Gambensonaten oder Schumann Werke klingen wunderbar auf dem klassischen Saxophon“, schwärmt sie. 

Neues Repertoire für das klassische Saxophon

Ihr Ziel ist es, zeitgenössische Komponisten für das klassische Saxophon zu gewinnen. „Überhaupt braucht es mehr Auftragswerke für Saxophon-Solo und Orchester“, findet die Künstlerin. Dafür zu sorgen, das ist Teil ihrer Mission. Und Asya Fateyeva hat das Können, die Ausstrahlung und die Energie, dem klassischen Saxophon einen neuen, gewichtigen Platz im Bewusstsein von Musikinstitutionen und in den Herzen von Musikfans zu erobern.